In Mecklenburg-Vorpommern müssen Asylsuchende überwiegend in Gemeinschaftsunterbringung wohnen. Im bundesweiten Vergleich rangiert das Land bei der dezentralen Unterbringung an der Grenze zum unteren Drittel (siehe Tabelle am Ende des Beitrages) .

Asylbewerberheime machen krank – diese banale Erkenntnis ist inzwischen durch eine Unmenge an empirischen Untersuchungen und Gutachten belegt. Seit  den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts (!) ist dies in regelmäßigen Abständen veröffentlicht worden. (siehe z.B. Henning/Wießner 1982).

In den vergangenen Wochen wurde öffentlich über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts angesichts der Corona-Abstandsregeln berichtet. Letztere können regelmäßig nicht eingehalten werden. Und so wird ein Heim von oftmals mehr als 200 Personen plötzlich zu einem gemeinsamen Haushalt erklärt.

Aber abgesehen von den gesundheitlichen Folgen der erzwungenen Heimunterbringung sind oft auch Lage, Ausstattung sowie „Betreuung“ und Bewachung ausschlaggebend, ob ein Heim zum wirklichen Heim wird. Unterkünfte liegen fast immer eher am Rande der Kommunen, oft hinter Zäunen und machen auch damit die Ausgrenzung überdeutlich.

Integration ist wesentlich besser möglich, wenn Geflüchtete in Mietwohnungen gemeinsam mit allen anderen Menschen leben. Das wäre im übrigen auch noch preiswerter für die öffentliche Hand, da Heimunterbringung bekanntermaßen immer die teuerste Variante ist – egal wer untergebracht wird.

Integrationsprozesse zu unterbinden, um spätere Abschiebungen zu erleichtern, ist jedoch angesichts der tatsächlichen Bleibewahrscheinlichkeit kurzsichtig. Auf diese Weise schafft sich die Gesellschaft selber ausgegrenzte, schlecht deutsch sprechende, schlecht gebildete  und kranke Menschen. Zur teureren Variante kommen dann auch noch die Folgekosten eines notwendigen „Reparaturbetriebes“ hinzu.

Frage an die Verantwortlichen: Wie wäre es mal mit folgender Zielstellung: Ausreisepflichtige könnten auch zu Botschafter*innen humanitärer Kultur aus Deutschland werden?

LeistungsempfängerInnen von Regelleistungen nach dem AsylbLG

nach Bundesländern und Art der Unterbringung am 31.12.2018

 

  gesamt Aufnahme-

einrichtung

in % Gemeinschafts-

unterkunft

in % Dezentral in %
Schleswig-Holstein 15 762 1 394 8,8 1 277 8,1 13 091 83,1
Bremen 3 698 16 0,4 1 040 28,1 2 642 71,4
Niedersachsen 39 806 2 583 6,5 9 135 22,9 28 088 70,6
Rheinland-Pfalz 16 538 2 964 17,9 2 083 12,6 11 491 69,5
Hamburg 11 203 2 515 22,4 945 8,4 7 743 69,1
Berlin 25 096 3 060 12,2 6 399 25,5 15 637 62,3
Thüringen 7 859 418 5,3 3 673 46,7 3 768 47,9
Deutschland 411 211 44 207 10,8 170 492 41,5 196 512 47,8
Baden-Württemberg 46 497 4 099 8,8 20 288 43,6 22 110 47,6
Sachsen-Anhalt 8 745 1 387 15,9 3 605 41,2 3 753 42,9
Bayern 64 514 7 750 12,0 30 124 46,7 26 640 41,3
Mecklenburg-Vorpommern 5 853 483 8,3 3 044 52,0 2 326 39,7
Nordrhein-Westfalen 98 480 13 522 13,7 47 617 48,4 37 341 37,9
Sachsen 21 197 763 3,6 13 388 63,2 7 046 33,2
Saarland 1 513 59 3,9 959 63,4 495 32,7
Hessen 29 200 1 557 5,3 18 194 62,3 9 449 32,4
Brandenburg 15 250 1 637 10,7 8 721 57,2 4 892 32,1

 

 

Quelle: Statistisches Bundesamt

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Asylbewerberleistungen/Tabellen/liste-emfaenger-bl.html