Pressemitteilung

22.09.22

 

Der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern kritisiert die Bildungskonzeption Mecklenburg-Vorpommerns für geflüchtete Schülerinnen und Schüler.

Das Bildungsministerium wird heute zur Umsetzung seiner Bildungskonzeption zur Beschulung von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache berichten. Dazu erklärt der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern:

Mecklenburg-Vorpommern verlässt mit dieser Konzeption den in den vergangenen Jahren vorbildlichen Weg, Kinder von Anfang an nach und nach in den allgemeinen Unterricht zu integrieren und zunächst sprachintensiven Unterricht, wie z.B. Deutschunterricht, durch gezielte Deutschförderung mit Unterricht in Deutsch als Zweitsprache, DAZ-Unterricht, zu ersetzen. Deutsch als Zweitsprache sollte dabei an Standortschulen in jedem Fach, z.B. auch in Mathematik, gelehrt werden.

Das Verlassen dieses integrativen Weges ist mehr als bedauerlich. Mit der Einrichtung von Vorklassen werden Kinder nicht nur räumlich ausgegrenzt; sie erhalten auch für zwei Jahre keine Chance in die allgemeine Schulbildung zu wechseln. Kinder, die sehr schnell Deutsch lernen, bleiben trotzdem draußen.

Das gilt – anders als es das Bildungsministerium in der Einladung zur heutigen Pressekonferenz vermittelt – nicht nur für geflüchtete Kinder, sondern rechtlich für alle Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache, also auch für EU-Bürger*innen.

Räumliche Ausgrenzung ist darüber hinaus eine sichtbare Ausgrenzung. Wenn hinter einer bestimmten Tür die „Ausländerkinder“ sitzen müssen, lernen alle anderen Kinder der Schule gleich von Anfang an, dass diese Kinder nicht dazugehören. Das ist untragbar.

Der Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern fordert das Bildungsministerium auf, zur Fachlichkeit der vergangenen Jahre zurückzukehren, das Integrationsressort wieder mit entsprechenden Fachleuten zu besetzen, die Curricula der Studiengänge im Lehramtsstudium wie in anderen Bundesländern in allen Fächern mit dem Fachgebiet Deutsch als Zweitsprache (DAZ) auszustatten.